FAQS zum Wirecard-​Skandal: Klage gegen EY

Zen­trale Fra­gen zum Wirecard-​Skandal und den Scha­dens­er­satz­kla­gen ge­gen den be­tei­lig­ten Wirt­schafts­prü­fer Ernst & Young (EY), kurz beantwortet:

Wirecard NEU

Kann ich wei­ter­hin Klage ge­gen EY einreichen?

Ja, das ist auch trotz des ein­ge­lei­te­ten KapMuG-​Verfahrens mög­lich und sinn­voll, da sonst ein er­heb­li­cher Zeit­ver­lust droht.

Was ge­schieht mit mei­ner Klage im lau­fen­den Musterverfahren?

Ihr Kla­ge­ver­fah­ren wird wäh­rend des lau­fen­den Mus­ter­ver­fah­rens aus­ge­setzt und Sie sind als Par­tei am Mus­ter­ver­fah­ren be­tei­ligt. Nach rechts­kräf­ti­ger Be­en­di­gung wird das Kla­ge­ver­fah­ren wie­der auf­ge­nom­men und wei­ter­ge­führt. Da­bei hat der Mus­ter­ent­scheid Bindungswirkung.

Ich möchte ge­gen EY kla­gen. Wel­che Un­ter­la­gen muss ich einreichen?

Bitte über­sen­den Sie uns sämt­li­che An­kaufs­ab­rech­nun­gen für Ihre Aktien/​Derivate/​Anleihen. Soll­ten Sie zwi­schen­zeit­lich Wert­pa­piere ver­kauft ha­ben, be­nö­ti­gen wir die je­wei­lige Ver­kaufs­ab­rech­nung. Zu­dem be­nö­ti­gen wir die un­ter­zeich­ne­ten Man­dats­un­ter­la­gen (Man­dats­ver­trag mit Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung, Pro­zess­voll­macht, Wi­der­rufs­be­leh­rung). Diese Un­ter­la­gen ste­hen hier zum Down­load zur Verfügung.

Wel­che In­ves­ti­tio­nen kann ich in der Klage gel­tend machen?

Alle Ak­tien, De­ri­vate und An­lei­hen, die zwi­schen dem 01.01.2010 und dem 22.06.2020 ge­kauft wurden.

Gibt es ei­nen Pro­zess­fi­nan­zie­rer für die Klage ge­gen EY?

Wir sind in aus­sichts­rei­chen Ge­sprä­chen mit ei­nem angel-​sächsischen, re­nom­mier­ten Pro­zess­fi­nan­zie­rer und hof­fen, in den kom­men­den Wo­chen all je­nen An­le­gern, die die er­for­der­li­chen Kos­ten nicht selbst tra­gen kön­nen, ein Fi­nan­zie­rungs­an­ge­bot ma­chen zu kön­nen. Re­gis­trie­ren Sie sich dazu in je­den Fall schon jetzt kos­ten­frei bei uns HIER.

Was kos­tet eine Klage ge­gen EY?

Das Pro­zess­kos­ten­ri­siko im Un­ter­lie­gens­falle setzt sich aus den ei­ge­nen An­walts­kos­ten, den geg­ne­ri­schen An­walts­kos­ten und den Ge­richts­kos­ten zu­sam­men. Die Kos­ten rich­ten sich da­bei nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz und Ih­rem in­di­vi­du­el­len Scha­den. Spre­chen Sie uns un­ver­bind­lich an, da­mit wir Ih­nen Ihr Pro­zess­kos­ten­ri­siko mit­tei­len können.

So­fern Sie zum Zeit­punkt der In­ves­ti­tion be­reits rechts­schutz­ver­si­chert wa­ren und die Ver­si­che­rung auch Strei­tig­kei­ten im Be­reich des Ka­pi­tal­markts um­fasst, stel­len wir für Sie kos­ten­frei eine Deckungsanfrage.

Warum wird ge­gen EY vor­ge­gan­gen und nicht ge­gen Wire­card selbst?

Die Wire­card AG hat am 25. Juni 2020 An­trag auf In­sol­venz ge­stellt – sie fällt so­mit als sol­ven­ter An­spruchs­geg­ner für die er­folg­rei­che Durch­set­zung et­wai­ger Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen der An­le­ger aus.

Auf wel­cher recht­li­chen Grund­lage kann Scha­dens­er­satz von EY ge­for­dert werden?

Un­sere Klage ge­gen EY ba­siert im We­sent­li­chen auf dem Um­stand feh­len­der Sal­den­be­stä­ti­gun­gen und der Er­tei­lung ei­nes schuld­haft fal­schen Be­stä­ti­gungs­ver­mer­kes für den Kon­zern­ab­schluss der Wire­card AG. EY haf­tet da­her den An­le­gern we­gen vor­sätz­li­cher sit­ten­wid­ri­ger Schä­di­gung nach § 826 BGB und nach den Grund­sät­zen des Ver­trags mit Schutz­wir­kun­gen zu­guns­ten Drit­ter nach § 311 Abs. 3 BGB.

Wie schät­zen Sie die Er­folgs­aus­sich­ten der Kla­gen ge­gen EY ein?

Wir hal­ten die Er­folgs­aus­sich­ten un­se­rer Kla­gen ge­gen EY für gut.

Die Ab­ge­ord­ne­ten des Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses mach­ten klar, dass sie ein­stim­mig der An­sicht sind, dass EY bei der Tes­tie­rung der Jah­res­ab­schlüsse von Wire­card auf Vor­lage von Sal­den­be­stä­ti­gun­gen der kon­to­füh­ren­den Ban­ken hätte be­stehen müs­sen. Die­ser An­sicht folg­ten nicht nur die Ab­schluss­prü­fer der Auf­sichts­stelle (APAS) beim Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­rium, son­dern auch die Bun­des­re­gie­rung (in ei­ner An­frage ei­nes Mit­glieds des Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses) so­wie das In­sti­tut der Wirt­schafts­prü­fer (IDW).

Zu­dem stüt­zen wei­tere Ver­säum­nisse von EY un­sere Klage – hierzu ha­ben wir be­reits um­fang­rei­ches Ma­te­rial zu­sam­men­ge­tra­gen.

Wie hoch ist die Haf­tungs­summe von EY?

EY hat ge­gen­über ih­ren Auf­trag­neh­mern für ihre dor­tige je­wei­lige Tä­tig­keit die Haf­tung be­grenzt. Dies be­trifft je­doch nicht die Haf­tung im Au­ßen­ver­hält­nis, ist also für eine Scha­dens­er­satz­klage des An­le­gers we­gen der Er­tei­lung ei­nes schuld­haft fal­schen Be­stä­ti­gungs­ver­mer­kes für den Kon­zern­ab­schluss der Wire­card AG unerheblich.

Da wir von ei­nem vor­sätz­li­chem Han­deln aus­ge­hen, ist nicht da­mit zu rech­nen, dass die Ver­si­che­rung von EY für den ent­stan­den Scha­den auf­kom­men muss. Da je­doch EY al­lein in Deutsch­land im letz­ten Jahr über 2 Mil­li­ar­den Euro Um­satz er­zie­len konnte und zu­dem Teil der in­ter­na­tio­na­len Un­ter­neh­mens­gruppe EY-​Global ist, rech­nen wir da­mit, dass recht­lich be­stehende Scha­dens­er­satz­an­sprü­che auch wirt­schaft­lich durch­setz­bar sein werden.

Wie sieht die Pro­zess­stra­te­gie aus?

Auf­grund der Kosten-​Nutzen-​Abwägung bün­deln wir meh­rere Klä­ger zu je­weils ei­nem Kla­ge­ver­fah­ren und rei­chen für diese Sam­mel­klage im Wege der „sub­jek­ti­ven Kla­ge­häu­fung“ ein. Sub­jek­tive Kla­ge­häu­fung be­deu­tet, dass meh­rere Klä­ger, die das glei­che An­lie­gen ver­fol­gen, ge­mein­sam zu Ge­richt ge­hen kön­nen. Es han­delt sich also so­zu­sa­gen um Klä­ger­grup­pen. Die Vor­aus­set­zun­gen hier­für lie­gen bei EY vor. Weil die ge­richt­li­chen Kos­ten­re­ge­lun­gen de­gres­siv aus­ge­stal­tet sind, las­sen sich mit die­sem Vor­ge­hen Kos­ten­vor­teile er­zie­len. Wir bil­den da­her lau­fend sol­che Gruppen.

Für Rechts­schutz­ver­si­cherte emp­feh­len wir eine Einzelklage.

Un­sere ju­ris­ti­sche Grund­lage: BGH, Urt. v. 12.03.2020 – VII ZR 236/19. Der Bun­des­ge­richts­hof hat in die­ser Ent­schei­dung ge­klärt, dass ein Wirt­schafts­prü­fer dann ge­gen­über In­ves­to­ren haf­tet, wenn sein Tes­tat un­rich­tig ist und wenn er da­bei „nach­läs­sig“, „rück­sichts­los“ und „an­ge­sichts der Be­deu­tung für Dritte ge­wis­sen­los“ ge­han­delt hat. Wir sind der Auf­fas­sung, dass diese Vor­aus­set­zun­gen im Falle von Wire­card und EY er­füllt sind und dass wir dies nach­wei­sen kön­nen.

Ist es sinn­voll, sich bei der „Stich­t­ing Wire­card In­ves­tors Claim“-Stiftung der DSW zu registrieren?

Die DSW (Deut­sche Schutz­ver­ei­ni­gung für Wert­pa­pier­be­sitz e.V.) hat ge­mein­sam mit den auf Ka­pi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Kanz­leien Nieding+Barth (Frank­furt am Main) und AKD Be­ne­lux La­wy­ers (Ams­ter­dam) die Stif­tung „Stich­t­ing Wire­card In­ves­tors Claim“ mit Sitz in Ams­ter­dam ge­grün­det, die Ent­schä­di­gun­gen für die Wirecard-​Anleger in­ner­halb der EU er­rei­chen soll. Das Ziel da­hin­ter: Ei­nen Ver­gleich nicht nur mit EY Deutsch­land, son­dern auch mit EY Glo­bal, zu erzielen. 

Nach nie­der­län­di­schem Recht kann man ne­ben dem be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men di­rekt die Kon­zern­mut­ter in An­spruch neh­men, da­her ist hier ein Vor­ge­hen ge­gen EY Glo­bal mög­lich. Es klagt letzt­lich die nie­der­län­di­sche Stif­tung, alle an­de­ren tre­ten der Klage ähn­lich ei­ner Sam­mel­klage nach US-​Vorbild kos­ten­los bei. Die Be­weis­latte scheint in den Nie­der­lan­den nicht ganz so hoch zu hän­gen wie in Deutsch­land, so dass die Er­folgs­aus­sich­ten bes­ser und die Ver­fah­rens­dauer üb­li­cher­weise kür­zer zu sein scheint.

Al­ler­dings fehlt un­se­rer Mei­nung nach die An­spruchs­lage ge­gen EY Glo­bal. Die Frage, auf wel­cher recht­li­chen Grund­lage man An­sprü­che strei­tig durch­set­zen bleibt hier of­fen. Zu­dem ist im Be­zug auf EY Glo­bal keine Pflicht­ver­let­zung er­sicht­lich. Fer­ner ist schon frag­lich, ob Über­wa­chungs­pflicht bzw. Be­auf­sich­ti­gungs­pflicht durch Glo­bal be­stand (zu­min­dest nach deut­schem Recht).

Zu­dem kann man nicht da­von aus­ge­hen, dass EY seine „harte Li­nie“ – näm­li­che alle Ver­gleichs­zah­lun­gen bis­her strikt ab­zu­leh­nen – jetzt ver­las­sen sollte.

Wir hal­ten diese Op­tion also für we­nig sinn­voll und emp­feh­len wei­ter­hin die Kla­ge­er­he­bung ge­gen EY Deutsch­land. Soll­ten die Ver­gleichs­mög­lich­kei­ten schei­tern bleibt letzt­lich nur eine ver­jäh­rungs­hem­mende Kla­ge­er­he­bung ge­gen EY Deutsch­land vor Ab­lauf der Ver­jäh­rung zum 31.12.2023.

Kä­men nicht auch die Ba­Fin oder die DPR als ge­eig­nete An­spruchs­geg­ner für Scha­dens­er­satz­kla­gen infrage?

Ja. Al­ler­dings ist eine Klage ge­gen die Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (Ba­fin) und/​oder die Deut­sche Prüf­stelle für Rech­nungs­le­gung (DPR) der recht­lich un­si­che­rere Weg als eine Klage ge­gen EY.

Eine Klage ge­gen BaFin/​DPR emp­fiehlt sich je­doch für alle Ge­schä­dig­ten, die aus wirt­schaft­li­chen oder per­sön­li­chen Grün­den nicht ge­gen EY vor­ge­hen möch­ten (z.B. weil die Rechts­schutz­ver­si­che­rung den Ein­tritt bei Ka­pi­tal­an­la­gen aus­schließt, zu­gleich aber eine Staats­haf­tung um­fasst, oder weil der Ge­schä­digte selbst Mit­ar­bei­ter von EY ist).

Zu be­ach­ten ist, dass es sich in je­dem Fall um die Ein­rei­chung zweier se­pa­ra­ter Kla­gen han­delt, da sie auf un­ter­schied­li­chen An­spruchs­grund­la­gen ba­sie­ren und der je­wei­lige Ge­richts­stand nicht iden­tisch ist.

Hat der Ver­kauf mei­ner Wert­pa­piere der Wire­card AG Aus­wir­kun­gen auf den Schadensersatzanspruch?

Über den Ver­kauf oder das Hal­ten der Aktien/​Anleihen/​Derivate der Wire­card AG kön­nen Sie frei ent­schei­den. Dies ist für die Klage un­er­heb­lich. Ein be­reits er­folg­ter oder jet­zi­ger Ver­kauf wirkt sich nicht aus, er­zielte Er­löse sind le­dig­lich bei der Höhe Ih­res Scha­dens zu be­rück­sich­ti­gen. Ent­schei­dend für den Scha­dens­er­satz­an­spruch ist, zu wel­chem Zeit­punkt ge­nau die Wert­pa­piere ge­hal­ten wur­den. Bitte ha­ben Sie Ver­ständ­nis, dass wir hierzu kei­ner­lei Emp­feh­lung ab­ge­ben können.

Wie be­rech­net sich mein Scha­den, bzw. der Streit­wert im Klageverfahren?

Ihr Scha­den ent­spricht dem Streit­wert im Kla­ge­ver­fah­ren und setzt sich aus dem An­kaufs­wert Ih­rer Wert­pa­piere in­klu­sive Er­werbs­kos­ten und et­waige ge­zahl­ter Pro­vi­sio­nen zu­sam­men. Scha­dens­min­dernd sind hier­von eine ge­ge­be­nen­falls er­hal­tene Di­vi­den­den­aus­zah­lung und, so­fern Sie die Wert­pa­piere ver­kauft ha­ben, der Net­to­er­lös aus dem Ver­kauf abzuziehen.

Wie be­mes­sen sich das an­walt­li­che Ho­no­rar und die Ge­richts­kos­ten im Fall ei­ner Klage?

Wir bie­ten in­sti­tu­tio­nel­len als auch pri­va­ten An­le­gern die Teil­nahme an ei­ner sog. Sam­mel­klage an. Bei die­ser wer­den meh­rere Klä­ger in ei­ner Klage zu­sam­men­ge­fasst. Hier­durch kann die Höhe der im Un­ter­lie­gens­fall zu tra­gen­den Kos­ten er­heb­lich ge­senkt wer­den. Das Pro­zess­kos­ten­ri­siko im Un­ter­lie­gens­falle setzt sich aus den ei­ge­nen An­walts­kos­ten, den geg­ne­ri­schen An­walts­kos­ten und den Ge­richts­kos­ten zu­sam­men. Die Kos­ten rich­ten sich da­bei nach dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz und Ih­rem in­di­vi­du­el­len Scha­den. Spre­chen Sie uns un­ver­bind­lich an, da­mit wir Ih­nen Ihr Pro­zess­kos­ten­ri­siko mit­tei­len können.

So­fern Sie zum Zeit­punkt der In­ves­ti­tion be­reits rechts­schutz­ver­si­chert wa­ren und die Ver­si­che­rung auch Strei­tig­kei­ten im Be­reich des Ka­pi­tal­markts um­fasst, stel­len wir für Sie kos­ten­frei eine Deckungsanfrage.

Das De­pot wird au­ßer­halb Deutsch­lands ge­führt bzw. ich bin kein deut­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger – kann ich mich trotz­dem an der Sam­mel­klage beteiligen?

Ja. Scha­dens­er­satz­an­sprü­che be­stehen un­ab­hän­gig vom Sitz der de­pot­füh­ren­den Bank bzw. der Staats­an­ge­hö­rig­keit des Wert­pa­pier­in­ha­bers und kön­nen in Deutsch­land gel­tend ge­macht werden.

Ist eine An­mel­dung zum KapMuG-​Verfahren mög­lich, wenn ich be­reits Klage er­ho­ben habe?

Nein! Wenn Sie be­reits Klage er­ho­ben ha­ben, ist eine KapMuG-​Anmeldung un­nö­tig, da Sie als Klä­ger ei­nes aus­ge­setz­ten Kla­ge­ver­fah­rens Bei­ge­la­de­ner des Mus­ter­ver­fah­rens nach Kap­MuG sind.

Ist es sinn­vol­ler sich zum KapMuG-​Verfahren an­zu­mel­den, oder jetzt be­reits Klage ge­gen EY zu erheben?

Um die Kla­ge­er­he­bung kom­men Sie nicht herum, auch wenn Sie erst­mal nur Ihre An­sprü­che zum KapMuG-​Verfahren an­mel­den. Mit der An­mel­dung zum KapMuG-​Verfahren wird nur der Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung ver­la­gert. Denn nach er­folg­rei­chem KapMuG-​Verfahren muss je­der An­mel­der zum KapMuG-​Verfahren trotz­dem Klage er­he­ben, um seine An­sprü­che gel­tend zu ma­chen. Wer je­doch erst nach Ab­schluss des Mus­ter­ver­fah­rens Klage er­hebt ver­liert so wert­volle Zeit. Da­her ra­ten wir dazu, be­reits jetzt Klage zu er­he­ben und da­mit Be­tei­lig­ter des Mus­ter­ver­fah­rens zu werden.

Grund­sätz­lich kommt die An­mel­dung zum KapMuG-​Verfahren über­haupt nur für die An­le­ger in Frage die nicht be­reits auf­grund ei­ge­ner Kla­ge­er­he­bung Be­tei­ligte des KapMuG-​Verfahrens sind. Durch die An­mel­dung zum Kap­MuG soll ohne nä­here Prü­fung des an­ge­mel­de­ten An­spruchs durch das Ge­richt le­dig­lich die Ver­jäh­rung ge­hemmt wer­den. Es be­steht zum Wire­card Mus­ter­ver­fah­ren je­doch die Ge­fahr, dass die Scha­dens­er­satz­an­sprü­che ge­gen EY gar nicht ver­jäh­rungs­hem­mend an­ge­mel­det wer­den konn­ten, weil diese der­zeit noch gar nicht Ge­gen­stand des Mus­ter­ver­fah­rens sind.

Wie läuft ein KapMuG-​Verfahren ab?

Durch das Mus­ter­ver­fah­ren sol­len alle an­hän­gi­gen Kla­gen ge­bün­delt ver­han­delt wer­den, um so di­ver­gie­rende Ent­schei­dun­gen zu ver­hin­dern und die In­stan­zen­ge­richte zu ent­las­ten. Alle an­hän­gi­gen Kla­gen ge­gen EY wer­den aus­ge­setzt und die Klä­ger sind als Bei­ge­la­dene Be­tei­ligte des Mus­ter­ver­fah­rens. Alle Kla­gen, die wäh­rend des lau­fen­den Mus­ter­ver­fah­rens neu ein­ge­reicht wer­den, wer­den aus­ge­setzt und die Klä­ger wer­den eben­falls Be­tei­ligte des Musterverfahrens.

Nach­dem das Ge­richt aus den aus­ge­setz­ten Ver­fah­ren den Mus­ter­klä­ger be­stimmt hat, kön­nen mit ei­ner Frist von 6 Mo­na­ten all die­je­ni­gen, die keine Klage er­ho­ben ha­ben ihre An­sprü­che zum Kap­MuG an­mel­den. Diese An­mel­der wer­den da­durch je­doch nicht Be­tei­ligte des Musterverfahrens.

Im Rah­men des Mus­ter­ver­fah­rens wer­den dann die zen­tra­len Fra­gen, die alle An­le­ger glei­cher­ma­ßen be­tref­fen ent­spre­chend den be­an­trag­ten Fest­stel­lungs­zie­len ge­klärt und mit dem Mus­ter­ent­scheid ent­schie­den. Zu­dem sieht das Ka­pi­tal­an­le­ger­mus­ter­ver­fah­rens­ge­setz die Mög­lich­keit vor, dass die Be­tei­lig­ten (die Be­klag­ten und die Klä­ger, nicht je­doch die An­mel­der) des Mus­ter­ver­fah­rens ei­nen Ver­gleich abschließen.

Sollte im Mus­ter­ver­fah­ren kein Ver­gleich ge­schlos­sen wor­den sein, kann ge­gen den Mus­ter­ent­scheid die Rechts­be­schwerde zum Bun­des­ge­richts­hof ein­ge­legt wer­den. Erst nach ei­nem rechts­kräf­ti­gem Ende des Mus­ter­ver­fah­rens wer­den die aus­ge­setz­ten Kla­ge­ver­fah­ren der ein­zel­nen Klä­ger wie­der auf­ge­nom­men. In die­sen geht es dann letzt­lich nur noch um die in­di­vi­du­el­len Aspekte der Klage wie z.B. die Scha­dens­be­rech­nung im kon­kre­ten Fall. Sämt­li­che Fest­stel­lun­gen aus dem Mus­ter­ver­fah­ren sind für die Klä­ger als Be­tei­ligte des Mus­ter­ver­fah­rens verbindlich.

Die An­spruchs­an­mel­der müs­sen nach rechts­kräf­ti­gem Ende des Mus­ter­ver­fah­rens ihre An­sprü­che mit ei­ner Klage durch­set­zen. Erst im Rah­men die­ser Klage wird dann ge­prüft, ob die An­spruchs­an­mel­dung die Ver­jäh­rung ge­hemmt hat. Zu­dem sind die Fest­stel­lun­gen aus dem Mus­ter­ver­fah­ren nicht ver­bind­lich und müs­sen im Rah­men des Kla­ge­ver­fah­rens dann ge­klärt werden.

Kann ich meine For­de­rung zum Kap­MuG anmelden?

Ja, aber nur, wenn Sie nicht be­reits Klage er­ho­ben ha­ben. Zur An­mel­dung Ih­rer For­de­run­gen zum Kap­MuG geht es hier.

Was soll im Kap­MuG ge­klärt werden?

Der Vor­la­ge­be­schluss, der das Mus­ter­ver­fah­ren ein­lei­tet, rich­tet sich nicht nur auf Fest­stel­lungs­ziele ge­gen­über EY son­dern auch ge­gen die Wire­card AG und de­ren Ver­ant­wort­li­che, u.a. auch ge­gen­über Mar­kus Braun. Kon­kret wird der Wire­card AG ein Ver­stoß ge­gen die Pu­bli­zi­täts­pflich­ten vor­ge­wor­fen, bei de­nen sich EY der Bei­hilfe schul­dig ge­macht ha­ben soll. Über fol­gende Sach­ver­halte soll das Mus­ter­ver­fah­ren entscheiden:

  • Un­rich­tig­keit der Ge­schäfts­be­richte der Wire­card AG
  • Der Wire­card AG war spä­tes­tens 2015 be­wusst, dass die Treu­hand­kon­ten nicht die ver­öf­fent­lich­ten Bank­gut­ha­ben aufwiesen
  • Mar­kus Braun hat als Vor­stands­mit­glied die Ver­mö­gens­ver­hält­nisse der Ge­sell­schaft un­rich­tig wie­der­ge­ge­ben oder verschleiert
  • Durch die Ver­öf­fent­li­chung fal­scher Ge­schäfts­be­richte ha­ben so­wohl die Wire­card AG als auch Mar­kus Braun sit­ten­wid­rig gehandelt
  • Scha­dens­er­satz­pflicht von EY, insb. Klä­rung des Vor­sat­zes im Hin­blick auf die Bei­hilfe zum Ver­stoß ge­gen die Pu­bli­zi­täts­pflich­ten der Wire­card AG
  • Der Kurs­dif­fe­renz­scha­den ist ohne kon­kre­ten Kau­sa­li­täts­nach­weis ersatzfähig
Gibt es ei­nen Pro­zess­fi­nan­zie­rer für die An­mel­dung zum KapMuG?

Der­zeit kön­nen wir Ih­nen kein wei­te­res Fi­nan­zie­rungs­an­ge­bot un­ter­brei­ten. Die Mit­tel un­se­res Pro­zess­fi­nan­zie­rers sind er­schöpft. Wir ste­hen je­doch mit wei­te­ren Pro­zess­fi­nan­zie­rern in Gesprächen.

Was kos­tet die An­mel­dung zum KapMuG?

Die Kos­ten zur An­mel­dung zum Kap­MuG be­tra­gen von Ge­set­zes we­gen eine so­ge­nannte 0,8 An­walts­ge­bühr und eine 0,5 Ge­richts­ge­bühr. HIER fin­den Sie eine bei­spiel­hafte Be­rech­nung und wel­che Un­ter­la­gen wir dazu von Ih­nen benötigen.

Kann ich meh­rere An­wälte beauftragen?

Für das In­sol­venz­ver­fah­ren der Wire­card AG und die Klage ge­gen EY kön­nen zwei un­ter­schied­li­che Kanz­leien tä­tig sein. Auch für das In­sol­venz­ver­fah­ren und die KapMuG-​Anmeldung kön­nen zwei un­ter­schied­li­che Kanz­leien tä­tig sein. Eine KapMuG-​Anmeldung und eine Klage ge­gen EY schlie­ßen sich ge­gen­sei­tig aus.

Kann ich meine For­de­rung noch im In­sol­venz­ver­fah­ren der Wire­card AG anmelden?

Ja, eine An­mel­dung der An­sprü­che zum In­sol­venz­ver­fah­ren ist noch möglich.

Wir bie­ten Ih­nen an, diese An­spruchs­an­mel­dung für Sie zu über­neh­men. Hier­für fällt eine ge­setz­li­che Ge­bühr in Höhe ei­ner 0,5-fachen RVG-​Gebühr zzgl. Aus­la­gen und USt. an. Falls ge­wünscht, über­neh­men wir auch die De­ckungs­an­frage ge­gen­über Ih­rer Rechtsschutzversicherung.

Wei­tere In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier.

Ist es sinn­voll ne­ben der Kla­ge­er­he­bung ge­gen EY meine For­de­rung im In­sol­venz­ver­fah­ren anzumelden?

Es ist sinn­voll, diese Scha­dens­er­satz­an­sprü­che im In­sol­venz­ver­fah­ren an­zu­mel­den. Selbst wenn die In­sol­venz­quote nicht hoch aus­fal­len sollte, ein ge­wis­ser Ka­pi­tal­rück­fluss lässt sich hier hof­fent­lich doch er­zie­len. Die Scha­dens­er­satz­an­sprü­che sind ju­ris­tisch nicht ganz ein­fach zu be­grün­den. Da­her ist es emp­feh­lens­wert, die An­mel­dung im In­sol­venz­ver­fah­ren nicht selbst durch­zu­füh­ren, son­dern durch eine An­walts­kanz­lei vor­neh­men zu lassen.

Ist es sinn­voll ne­ben der An­mel­dung zum Mus­ter­ver­fah­ren nach Kap­MuG auch meine For­de­rung im In­sol­venz­ver­fah­ren anzumelden?

Es ist sinn­voll, diese Scha­dens­er­satz­an­sprü­che im In­sol­venz­ver­fah­ren an­zu­mel­den. Selbst wenn die In­sol­venz­quote nicht hoch aus­fal­len sollte, ein ge­wis­ser Ka­pi­tal­rück­fluss lässt sich hier hof­fent­lich doch erzielen.

Wer ist der Insolvenzverwalter?

In­sol­venz­ver­wal­ter ist Dr. Mi­chael Jaffé, den wir be­reits aus ei­ner an­de­ren Ver­fah­rens­gruppe (P&R Con­tai­ner) sehr gut kennen

Was kos­tet die For­de­rungs­an­mel­dung im Insolvenzverfahren?

Wir bie­ten Ih­nen an, die An­spruchs­an­mel­dung für Sie zu über­neh­men. Hier­für fällt eine ge­setz­li­che Ge­bühr in Höhe ei­ner 0,5-fachen RVG-​Gebühr zzgl. Aus­la­gen und USt. an. Falls ge­wünscht, über­neh­men wir auch die De­ckungs­an­frage ge­gen­über Ih­rer Rechtsschutzversicherung.

So erreichen Sie uns

Schirp & Part­ner Rechts­an­wälte mbB
Leip­zi­ger Platz 9
10117 Berlin

Tel.: +49 (0)30 – 327 617 0
Fax: +49 (0)30 – 327 617 17
E-​Mail: mail@​schirp.​com

Beratungshinweis

Beachten Sie bitte, dass wir an dieser Stelle nicht beratend antworten können. Sollten Sie dies dennoch wünschen, haben Sie die Möglichkeit, uns eine entsprechende Vollmacht zu erteilen. Laden Sie dazu einfach dieses Formular herunter und senden Sie es uns unterschrieben zurück.

News

Wirecard-​Prozess: Schwere Vorwürfe gegen EY

„Man hätte an der Stelle auch an­ders re­agie­ren kön­nen, dann wäre es schon an­dert­halb Jahre frü­her aufgeflogen.“ 

BGH: Betriebsschließungsversicherung muss Entschädigung für zweiten Lockdown zahlen

Wie der Bun­des­ge­richts­hof am 18. Ja­nuar 2023 ent­schied, muss die Be­triebs­schlie­ßungs­ver­si­che­rung ei­nes Ho­tels in Nie­der­sach­sen eine Ent­schä­di­gung für die Zeit des zwei­ten Corona-​Lockdowns zah­len (AZ IV ZR 465/21). Das Ho­tel hatte zu­nächst Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen für den Zeit­raum des ers­ten Lock­downs vom 18. März bis zum 25. Mai 2020 ge­for­dert so­wie die Fest­stel­lung, dass die Ergo-​Versicherung ver­pflich­tet ist, […]

Wirecard-​Strafverfahren: Verteidiger fordern Aussetzung des Prozesses

Die An­wälte der an­ge­klag­ten ehe­ma­li­gen Wirecard-​Manager Mar­kus Braun und Ste­phan von Erffa stell­ten An­träge auf eine Aus­set­zung des Verfahrens.

POC-​Fonds: fehlerhafte Beschlussfassung nach Umstrukturierung

Erste Be­schluss­fas­sung der DEL Ca­nada Li­mi­ted Part­ners­hip mit fal­scher Stim­men­ver­tei­lung Die Pro­ven Oil Canada-​Fonds (POC-​Fonds), die uns seit 2015 in­ten­siv be­schäf­ti­gen, sind im Rah­men ei­ner (an­ge­foch­te­nen) Be­schluss­fas­sung mit Wir­kung zum Ende des Jah­res 2021 um­struk­tu­riert wor­den. Bis Ende 2021 hiel­ten sechs der acht POC-​Fonds An­teile an der ka­na­di­schen DEL Ca­nada Li­mi­ted Part­ners­hip, die im Zuge […]

POC-​Fonds: Fehlerhafte Beschlussfassung

Re­cher­chen des Ak­ti­ons­bund Ak­ti­ver An­le­ger­schutz e.V. bei den POC-​Fonds: Erste Be­schluss­fas­sung der DEL Ca­nada Li­mi­ted Part­ners­hip mit fal­scher Stim­men­ver­tei­lung. Die Pro­ven Oil Canada-​Fonds (POC-​Fonds), die uns seit 2015 in­ten­siv be­schäf­ti­gen, sind im Rah­men ei­ner (an­ge­foch­te­nen) Be­schluss­fas­sung mit Wir­kung zum Ende des Jah­res 2021 um­struk­tu­riert wor­den. Bis Ende 2021 hiel­ten sechs der acht POC-​Fonds An­teile an […]

Neuer Geschäftssitz der Unternehmensgruppe Steiner

An­le­ger­ver­wal­tung im Hause Stei­ner hat neue Kon­takt­da­ten, die im In­ter­net nicht zu fin­den sind Im letz­ten hal­ben Jahr ha­ben bei der Un­ter­neh­mens­gruppe Stei­ner aus Ham­burg eine ganze Reihe von Ver­än­de­run­gen statt­ge­fun­den, bei de­nen die An­le­ger nicht un­be­dingt ak­tiv auf dem Lau­fen­den ge­hal­ten wur­den. So hat der ge­schäfts­füh­rende Ge­sell­schaf­ter Dr. Il­lya Stei­ner von den drei Gründungsgesellschaftern […]

Alle Meldungen »

Copyright © Schirp & Partner Rechtsanwälte | Impressum | Datenschutzerklärung
Zum Seitenanfang