WIRECARD-​Skandal: Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren der Wirecard AG sowie Klage gegen Wirtschaftsprüfer Ernst & Young

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Die Vorwürfe gegenüber der Wirecard AG

Es kam nicht wirk­lich über­ra­schend: Seit Jah­ren wird der Wire­card AG vor­ge­wor­fen, nicht trans­pa­rent zu be­rich­ten. Spä­tes­tens seit den Vor­wür­fen der Fi­nan­cial Times von 2019 kam die Wire­card AG nicht mehr zur Ruhe. Die de­tail­lier­ten Vor­würfe zu Kreis­lauf­zah­lun­gen, Bi­lanz­ma­ni­pu­la­tion und Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten in Mil­li­ar­den­um­fang konn­ten auch mit der von der Wire­card be­auf­trag­ten Son­der­prü­fung durch die KPMG Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft nicht aus­ge­räumt wer­den. Aus­gangs­punkt der Un­ter­su­chung von KPMG war die an­geb­li­che Er­hö­hung des Um­sat­zes durch fik­tive Kun­den­be­zie­hun­gen, ins­be­son­dere im Dritt-​Acquiring mit ei­nem Third-​Party-​Acquiring-​Partner, Ver­öf­fent­li­chun­gen im In­ter­net und Vor­würfe zu Buch­hal­tungs­the­men in Sin­ga­pur.

Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren der Wirecard AG

Das Amts­ge­richt Mün­chen hat am 25. Au­gust 2020 das In­sol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen der WIRE­CARD AG er­öff­net. In­sol­venz­ver­wal­ter ist Dr. Mi­chael Jaffé, den wir be­reits aus ei­ner an­de­ren Ver­fah­rens­gruppe (P&R Con­tai­ner) sehr gut ken­nen.

Die In­ves­to­ren der WIRE­CARD AG (Aktien/​Derivate) sind zwar grund­sätz­lich keine Gläu­bi­ger im In­sol­venz­ver­fah­ren ih­rer ei­ge­nen AG. Aber: Den In­ves­to­ren ste­hen auf­grund der lang­jäh­ri­gen Bi­lanz­ma­ni­pu­la­tion, die dem Vor­stand und dem Auf­sichts­rat der WIRE­CARD AG vor­ge­wor­fen wird, Scha­dens­er­satz­an­sprü­che ge­gen die WIRE­CARD AG zu. Und mit die­sen Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen sind die In­ves­to­ren Gläu­bi­ger im Ver­fah­ren der WIRE­CARD AG.

Es ist sinn­voll, diese Scha­dens­er­satz­an­sprü­che im In­sol­venz­ver­fah­ren an­zu­mel­den. Selbst wenn die In­sol­venz­quote nicht hoch aus­fal­len sollte, ein ge­wis­ser Ka­pi­tal­rück­fluss lässt sich hier hof­fent­lich doch er­zie­len. Die Scha­dens­er­satz­an­sprü­che sind ju­ris­tisch nicht ganz ein­fach zu be­grün­den. Da­her ist es emp­feh­lens­wert, die An­mel­dung im In­sol­venz­ver­fah­ren nicht selbst durch­zu­füh­ren, son­dern durch eine An­walts­kanz­lei vor­neh­men zu las­sen, die mit al­len Vor­gän­gen bei WIRE­CARD ver­traut ist. Hier­für läuft eine Frist bis zum 26. Ok­to­ber 2020. Wir bie­ten Ih­nen an, diese An­spruchs­an­mel­dung für Sie zu über­neh­men. Hier­für fällt eine ge­setz­li­che Ge­bühr in Höhe ei­ner 0,5-fachen RVG-​Gebühr zzgl. Aus­la­gen und USt. an. Falls ge­wünscht, über­neh­men wir auch die De­ckungs­an­frage ge­gen­über Ih­rer Rechts­schutz­ver­si­che­rung. Falls wir für Sie die For­de­rung im In­sol­venz­ver­fah­ren ein­rei­chen sol­len, bit­ten wir Sie bis zum 19. Ok­to­ber 2020 um Er­tei­lung des Man­dats und Über­sen­dung Ih­rer Un­ter­la­gen.

Das Ergebnis der KPMG-​Sonderprüfung

Das KPMG-​Gutachten wurde Ende April ver­öf­fent­licht. Aber an­statt der er­hoff­ten Ent­las­tung legte KPMG in ih­rem Be­richt um­fang­rei­che Ver­säum­nisse bei Wire­card of­fen. Die Wire­card Ak­tie brach um ca. 40 % ein. KPMG wur­den Un­ter­la­gen teil­weise ver­spä­tet oder gar nicht vor­ge­legt. Ins­be­son­dere wur­den keine Sal­den­be­stä­ti­gun­gen für Bank­gut­ha­ben der so ge­nann­ten Es­crow Ac­counts vor­ge­legt. Es stand (und steht) im Raum, dass die Bi­lan­zie­rung die­ser Bank­gut­ha­ben un­rich­tig war.

Die Blase Wirecard ist geplatzt:

In der Ad-​hoc-​Mitteilung vom 18. Juni 2020 hat Wire­card be­kannt ge­ge­ben, dass für die Ernst & Young GmbH Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft (EY) als Ab­schluss­prü­fer 1,9 Mil­li­ar­den Euro, die auf Treu­hand­kon­ten den Wirecard-​Kunden als Si­cher­heit die­nen soll­ten, nicht auf­find­bar seien. Ein Tes­tat für den Jah­res­ab­schluss 2019 wurde von EY so­dann nicht mehr er­teilt. Wire­card hat Straf­an­trag ge­gen Un­be­kannt ge­stellt und fühlt sich sel­ber als “Op­fer gi­gan­ti­schen Aus­ma­ßes”. Wire­card droht nach ei­ge­nen An­ga­ben die Kün­di­gung von Kre­di­ten in Höhe von 2 Mil­li­ar­den Euro. Dies dürfte auch für ein DAX-​Unternehmen kaum zu ver­kraf­ten sein, wenn kein Schul­den­mo­ra­to­rium mit den Ban­ken ver­ein­bart wer­den kann.

Der CEO Mar­kus Braun trat zu­nächst zu­rück und wurde zwi­schen­zeit­lich so­gar in­haf­tiert. Ja­mes Freis er­setzt ihn der­zeit als Interims-​CEO. COO Jan Mar­sa­lek, im Vor­stand so­wohl für das Asien- als auch für das Dritt­part­ner­ge­schäft zu­stän­dig, wurde erst frei­ge­stellt und dann ab­be­ru­fen. Ak­tu­ell soll er sich Me­di­en­be­rich­ten zu­folge auf den Phil­lip­pi­nen be­fin­den.

Die Ra­ting­agen­tur Moody’s hat in­des Wire­card um 6 Not­ches her­ab­ge­stuft („B3“, also „Ram­sch­ni­veau“) und in­zwi­schen kom­plett zu­rück­ge­zo­gen. Zu­dem er­mit­telt die Ba­Fin be­reits ge­gen Wire­card we­gen feh­ler­haf­ter Ad-​hoc-​Mitteilungen im Hin­blick auf den KPMG-​Prüfbericht. Die Er­mitt­lun­gen sol­len nun aus­ge­wei­tet wer­den.

Am 18. Juni 2020 musste Wire­card nun beim Mün­che­ner Amts­ge­richt ei­nen In­sol­venz­an­trag auf­grund dro­hen­der Zah­lungs­un­fä­hig­keit und Über­schul­dung stel­len. Tags zu­vor hatte es noch ge­hei­ßen, zu­sam­men mit Houli­han Lo­key solle die Fi­nanz­stra­te­gie des Un­ter­neh­mens neu aus­ge­rich­tet wer­den.

Die Wirecard AG fällt somit als solventer Anspruchsgegner für Schadensersatzforderungen der Anleger aus!

Wie konnte EY davon nichts mitbekommen?

Es stellt sich die Frage, wie EY die letz­ten Testate un­ein­ge­schränkt er­tei­len konnte. Wie konnte es sein, dass die von KPMG fest­ge­stell­ten De­fi­zite den Jah­res­ab­schluss­prü­fern von EY in den Jah­ren zu­vor ver­bor­gen ge­blie­ben sind?

Schirp & Part­ner kommt nach Prü­fung der Rechts­lage zu dem Er­geb­nis, dass die Testate ohne Ver­stoß ge­gen die Prüf­pflich­ten ei­nes Wirt­schafts­prü­fers wohl nicht er­teilt wer­den konn­ten. Of­fen­sicht­lich hat EY Gut­ha­ben auf Treu­hand­kon­ten in Höhe von bis zu 1,9 Mil­li­ar­den Euro in den ver­gan­ge­nen Jah­ren be­an­stan­dungs­frei tes­tiert, ob­wohl da­für keine aus­rei­chen­den Nach­weise vor­ge­le­gen ha­ben kön­nen, da die be­trof­fe­nen Ban­ken die Exis­tenz der Kon­ten be­strei­ten. Nach un­se­rer Ana­lyse ent­spricht dies nicht dem pflicht­ge­mä­ßen Vor­ge­hen ei­nes Wirt­schafts­prü­fers.

Was können betroffene Anleger tun?

Wir glau­ben, dass EY wirt­schaft­lich der bes­sere An­spruchs­geg­ner für ge­schä­digte An­le­ger ist. Die Zu­kunft von Wire­card steht in den Ster­nen, der In­sol­venz­an­trag wurde am 25. Juni 2020 ge­stellt. Wer da­her Scha­dens­er­satz durch­set­zen will, sollte sich über­le­gen, ob er über­haupt noch ge­gen die Wire­card vor­ge­hen möchte.

Wir se­hen in ei­nem Vor­ge­hen ge­gen den Wirt­schafts­prü­fer EY die bes­sere Al­ter­na­tive. Die­ser hat die Jah­res­ab­schlüsse der Wire­card AG jah­re­lang ge­prüft und tes­tiert und will erst­mals im Juni 2020 auf feh­ler­hafte Sal­den­be­stä­ti­gun­gen ge­sto­ßen sein? Dies ist un­se­res Er­ach­tens mit den Prüf­pflich­ten ei­nes Wirt­schafts­prü­fers nicht ver­ein­bar. Der Bun­des­ge­richts­hof hatte erst im März die­ses Jah­res in ei­nem ähn­lich ge­la­ger­ten Fall eine Klage ge­gen ei­nen Wirt­schafts­prü­fer we­gen feh­ler­haft er­teil­ter Testate ver­ur­teilt und dem An­le­ger Scha­den­er­satz zu­ge­spro­chen.

Erste Kla­gen wur­den von uns be­reits ein­ge­reicht. Wenn auch Sie an ei­ner Klage ge­gen den Wirt­schafts­prü­fer EY in­ter­es­siert sind oder sich ei­ner Sam­mel­klage ge­gen EY an­schlie­ßen wol­len, wen­den Sie sich gerne uns. Als An­sprech­part­ne­rIn für Ihr wei­te­res Vor­ge­hen ste­hen Ih­nen Rechts­an­walt Dr. Wolf­gang Schirp, Fach­an­walt für Bank- und Ka­pi­tal­markt­recht und Rechts­an­wäl­tin Dr. Su­sanne Schmidt-​Morsbach, Fach­an­wäl­tin für Bank- und Ka­pi­tal­markt­recht und Fach­an­wäl­tin für Handels- und Ge­sell­schafts­recht, zur Ver­fü­gung.

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