Wirecard-Prozess: Marsalek-Brief sorgt für Aufruhr
Der untergetauchte Ex-Wirecard-COO Jan Marsalek hat sich per Brief im Wirecard-Strafprozess zu Wort gemeldet.
Der genaue Inhalt und Wortlaut sind bislang unbekannt. Das achtseitige Schreiben wurde von Marsaleks Anwalt Frank Eckstein im Auftrag seines Mandanten verfasst. Als erstes berichtete die „Wirtschaftswoche“. Auch warum sich der ehemalige Finanzchef und Vorstand des Skandal-Unternehmens genau jetzt zu Wort meldet, ist nicht geklärt. Marsalek war kurz nach dem Zusammenbruch der Firma geflohen, sein Aufenthaltsort ist derzeit unbekannt.
Laut „Wirtschaftswoche“ geht es in dem Brief vornehmlich um das sogenannte TPA-Geschäft, das Drittpartner-Geschäft, das laut Staatsanwaltschaft und Insolvenzverwalter der Wirecard AG nie existiert haben soll. Dem soll Marsalek widersprechen. Das TPA-Geschäft habe tatsächlich existiert und es seien über „mehr als ein Jahrzehnt große Transaktionsvolumina“ abgewickelt worden.
Auch der Kronzeuge der Staatsanwaltschaft, Oliver Bellenhaus, wird wohl in dem Schreiben angegangen. Dieser sei „unglaubwürdig“ und habe sich zu „widersprüchlichen Aussagen“ drängen lassen.
Aufruhr im Strafprozess
Der Vorsitzende Richter Markus Födisch lehnte es vorläufig ab, das Schreiben im Strafprozess gegen Markus Braun und weitere Angeklagte im Wirecard-Strafprozess verlesen zu lassen. Er sehe kaum Möglichkeiten, den Brief in die Gerichtsverhandlung einzuführen, sagte Födisch dementsprechend.
Die Verteidiger von Markus Braun, dem ehemaligen Wirecard-Chef, protestierten, da ihrer Meinung nach das Schreiben wesentliche Angaben zu Brauns Entlastung enthalte. In der Folge entstand ein heftiges Wortgefecht zwischen den Anwälten, dem Vorsitzenden Richter und der Staatsanwältin.
Am Donnerstag, den 20. Juli 2023, wurde das Verfahren schließlich fortgesetzt. Richter Födisch machte dabei klar, dass es keine schnelle Entscheidung über die Verlesung des Briefes geben werde. „Das werden wir uns in Ruhe überlegen, wie wir das verfahrenstechnisch lösen“, wird er im „Handelsblatt“ zitiert.
Offen bleibt weiterhin, warum sich Marsalek so plötzlich ein Lebenszeichen aussendet und klar Stellung pro Braun bezieht.
Alle Informationen zum Wirecard-Skandal und zu unserem Vorgehen gegen EY finden Sie hier.