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Wirecard / EY – Sachstandsbericht

Ak­tu­el­ler Stand im Ver­fah­ren ge­gen EY

Die Ver­fah­ren im Zu­sam­men­hang mit Wire­card und mög­li­chen An­sprü­chen ge­gen EY sind wei­ter­hin kom­plex und zeit­auf­wen­dig. Gleich­wohl gibt es Fort­schritte und meh­rere Wege, den Fall wei­ter auf­zu­klä­ren und die In­ter­es­sen der be­trof­fe­nen An­le­ger zu verfolgen.

Das Mus­ter­ver­fah­ren

Seit Mai 2025 ver­tre­ten wir den Mus­ter­klä­ger. Ein Mus­ter­ver­fah­ren soll zen­trale Fra­gen für viele ver­gleich­bare An­le­ger­fälle ein­heit­lich klä­ren. Un­ser Ziel ist es, das Ver­fah­ren so zü­gig wie mög­lich voranzubringen.
Im März 2026 ha­ben wir dem Baye­ri­schen Obers­ten Lan­des­ge­richt eine aus­führ­li­che Be­grün­dung zu den noch of­fe­nen Fra­gen vor­ge­legt. Da­bei geht es ins­be­son­dere um An­ga­ben zu Ge­schäf­ten mit Dritt­part­nern, For­de­run­gen, an­geb­li­chen Treu­hand­gut­ha­ben, Um­sät­zen und Prü­fungs­ver­mer­ken in den Jah­ren 2014 bis 2018. Die Vor­würfe und die da­zu­ge­hö­ri­gen Be­weis­mit­tel wur­den da­bei kon­kret den je­wei­li­gen Bilanz- und La­ge­be­richts­an­ga­ben zugeordnet.

Warum es zu Ver­zö­ge­run­gen kommt

Das Baye­ri­sche Oberste Lan­des­ge­richt hatte die ge­gen EY ge­rich­te­ten Fra­gen im Mus­ter­ver­fah­ren mit Teil-​Musterentscheid vom 28. Fe­bruar 2025 zu­rück­ge­wie­sen. An­dere Klä­ger­ver­tre­ter ha­ben da­ge­gen Rechts­be­schwerde zum Bun­des­ge­richts­hof ein­ge­legt. Über die­ses Rechts­mit­tel ist noch nicht entschieden.
Diese Rechts­be­schwerde wirkt sich auch auf an­dere Be­tei­ligte aus und ver­zö­gert den Fort­gang des Ver­fah­rens. Hinzu kom­men wei­tere An­träge, un­ter an­de­rem zur Ab­be­ru­fung des Mus­ter­klä­gers und zur Be­fan­gen­heit des Vor­sit­zen­den. Das Ge­richt hat sol­che An­träge zu­rück­ge­wie­sen. Sie ha­ben den­noch Zeit und Res­sour­cen gebunden.
Un­sere Stra­te­gie bleibt, die in­di­vi­du­el­len Ver­fah­ren ge­gen EY mög­lichst wie­der in Gang zu brin­gen und dort auf voll­streck­bare Scha­dens­er­satz­ur­teile hinzuwirken.

Drei wei­tere EY-Gesellschaften

In das Mus­ter­ver­fah­ren sind in­zwi­schen drei wei­tere EY-​Gesellschaften ein­be­zo­gen worden:

  • EY Tax GmbH Steuerberatungsgesellschaft
  • EY Stra­tegy & Tran­sac­tions GmbH
  • EY Con­sul­ting GmbH

An­sprü­che ge­gen diese Ge­sell­schaf­ten kön­nen bis zum 28. Ok­to­ber 2026 im Mus­ter­ver­fah­ren an­ge­mel­det wer­den. Eine An­mel­dung kann sinn­voll sein, weil da­mit wei­tere mög­li­che An­spruchs­geg­ner er­fasst wer­den und eine Ver­jäh­rung der An­sprü­che zu­nächst ge­hemmt wer­den kann. Ob das Mus­ter­ver­fah­ren für diese Ge­sell­schaf­ten zu­läs­sig ist, ist al­ler­dings noch offen.
Wer die An­mel­dung vor­neh­men las­sen möchte, sollte sich bis zum 15. Sep­tem­ber 2026 ver­bind­lich mel­den. Die An­mel­dung muss durch ei­nen Rechts­an­walt er­fol­gen. Für die Tä­tig­keit ist eine Pau­schale von 190 Euro zu­züg­lich Um­satz­steuer vor­ge­se­hen. Es kann nicht voll­stän­dig aus­ge­schlos­sen wer­den, dass zu­sätz­lich Ge­richts­kos­ten entstehen.

Si­cher­hei­ten we­gen der Um­struk­tu­rie­rung von EY

Be­reits 2024 wur­den für zahl­rei­che Man­dan­ten Si­cher­hei­ten ver­langt. Hin­ter­grund ist die Um­struk­tu­rie­rung der deut­schen EY-​Gesellschaft. Die Si­cher­heit soll ge­währ­leis­ten, dass mög­li­che Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert bleiben.
EY hat bis­lang keine Si­cher­heit ge­leis­tet. So­weit eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung die Kos­ten deckt, sol­len noch in die­sem Jahr erste Kla­gen auf Si­cher­heits­leis­tung ein­ge­reicht wer­den. Nach der der­zei­ti­gen recht­li­chen Ein­schät­zung ver­jäh­ren diese An­sprü­che erst Ende 2027. Es be­steht da­her kein un­mit­tel­ba­rer Zeitdruck.

Mög­li­che Be­weis­mit­tel aus den USA

Zu­sätz­lich wird ge­prüft, ob in den USA Un­ter­la­gen für die deut­schen Ver­fah­ren be­schafft wer­den kön­nen. Da­bei geht es etwa um in­terne Kom­mu­ni­ka­tion, Zu­stän­dig­kei­ten, Zah­lungs­ströme oder den Zu­gang zu Un­ter­la­gen in­ner­halb des EY-​Netzwerks. Dies könnte ins­be­son­dere Un­ter­la­gen von EY US, ver­bun­de­nen Ge­sell­schaf­ten oder Ban­ken betreffen.
Ein sol­ches Ver­fah­ren ist mit Kos­ten und recht­li­chen Un­si­cher­hei­ten ver­bun­den. Es könnte je­doch Zu­gang zu Be­weis­mit­teln er­öff­nen, die im deut­schen Zi­vil­pro­zess nur schwer zu er­lan­gen sind. In­ter­es­sierte Man­dan­ten kön­nen ihr un­ver­bind­li­ches In­ter­esse an ei­ner Be­tei­li­gung mitteilen.

Wei­tere Maß­nah­men au­ßer­halb der Gerichte

Auch au­ßer­halb der ge­richt­li­chen Ver­fah­ren wird ver­sucht, den Druck auf EY zu er­hö­hen. In der Haupt­ver­samm­lungs­sai­son 2026 wur­den bei der Deut­schen Bank und Volks­wa­gen ge­mein­sam mit Ak­tio­nä­ren Ge­gen­an­träge ge­gen eine er­neute Be­stel­lung von EY als Ab­schluss­prü­fer ge­stellt. Po­si­tiv be­wer­tet wurde, dass die Al­li­anz SE EY für 2026 nicht als Ab­schluss­prü­fer be­stellt hat.
Hin­ter­grund ist die Auf­fas­sung, dass EY Ver­trauen zu­rück­ge­win­nen und eine Lö­sung für die Fol­gen des Wirecard-​Komplexes fin­den muss.

Ein­sicht in den APAS-Bescheid

Die Ab­schluss­prü­fer­auf­sichts­stelle APAS hat ei­nen Sank­ti­ons­be­schluss ge­gen EY und frü­here Be­rufs­trä­ger er­las­sen. Die­ser Be­scheid ist nicht öf­fent­lich zu­gäng­lich. Des­halb wird vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin Ein­sicht in den Be­scheid verlangt.
Die darin ent­hal­te­nen Fest­stel­lun­gen könn­ten für die Auf­klä­rung des Wirecard-​Sachverhalts und die Durch­set­zung zi­vil­recht­li­cher An­sprü­che be­deut­sam sein. Die münd­li­che Ver­hand­lung vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ist für den 7. Ok­to­ber 2026 angesetzt.

Wirt­schaft­li­cher Druck auf EY

EY hat im deut­schen Markt für Ab­schluss­prü­fun­gen nach den vor­lie­gen­den An­ga­ben an Be­deu­tung ver­lo­ren. Dies kann den wirt­schaft­li­chen und stra­te­gi­schen Druck auf das Un­ter­neh­men er­hö­hen. Aus Sicht der Klä­ger­seite ver­bes­sert dies die Chan­cen, dass EY sich mit­tel­fris­tig ernst­haft mit ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Lö­sung des Kon­flikts auseinandersetzt.

Zu­sam­men­fas­sung

Das Mus­ter­ver­fah­ren ist noch nicht ab­ge­schlos­sen und wird durch wei­tere Rechts­mit­tel und An­träge ver­zö­gert. Par­al­lel wer­den je­doch meh­rere Wege ver­folgt: die An­mel­dung ge­gen wei­tere EY-​Gesellschaften, Kla­gen auf Si­cher­heits­leis­tung, die mög­li­che Be­schaf­fung von Be­weis­mit­teln in den USA und die Ein­sicht in be­hörd­li­che Un­ter­la­gen. Ziel bleibt, die Auf­klä­rung vor­an­zu­trei­ben und die An­sprü­che der be­trof­fe­nen An­le­ger wirk­sam durchzusetzen.

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